Quo vadis Weinguides? — Erste Reaktionen
Veröffentlicht am 16. Juni 2009 in der Rubrik »Allgemein«
In meinem gestrigen Beitrag »Quo vadis Weinguides?« berichtete ich über das neue Geschäftsmodell des Gault-Millau WeinGuide. Dessen Verlag hatte in den vergangenen Tagen die in dem Weinführer aufgeführten Weingüter angeschrieben und um eine freiwillige Geldspende in Höhe von 195,- € gebeten. Weil es mir nicht darum ging, Verlag und Redaktion an den Pranger zu stellen, sondern lediglich das offenbar gestörte Verhältnis zwischen Winzern und Kritikern zu beleuchten, hatte ich bewusst auf Namensnennungen verzichtet. Inzwischen haben sich jedoch weitere Blogger zu Wort gemeldet und in ihren Beiträgen Ross und Reiter genannt. Ich werde dies daher im Folgenden ebenfalls tun.
In seinem Winzerblog fragt Thomas Lippert aus Heidelberg heute: »Warum haben Winzer und Weingüter Angst, sich zu solchen Vorgehensweisen zu äußern? Warum räumt die Weinwirtschaft der schreibenden Zunft noch immer so viel Macht ein?«
Deutlich härter geht Dr. Eckhard Supp aus Hamburg im WorldWine Blog nicht nur mit dem Gault-Millau WeinGuide, sondern gleich auch mit den Winzern ins Gericht: »Offenbar ist ein [...] Teil der Winzerschaft der Meinung, dass Copyright-Diebstahl und Markenmissbrauch [...], in genau diesem, und natürlich nur diesem Falle etwas völlig Legitimes seien [...]. Wenn ein Verlag es dann, nachdem er diesen Missbrauch jahrelang geduldet hat, wagt, damit Schluss zu machen, gilt das diesen erfolgsverwöhnten Herren als Skandal. Aber: Von einem ihrer (als Journalist verkleideten) Kollegen — dem Regionalvorsitzenden eines privaten Winzerverbands — über Jahre hinweg in diesem ›Weinführer‹ bewertet zu werden, fanden dieselben Herren dagegen offenbar völlig normal. Dass hier die Grundsätze des Journalismus, so wie sie der Deutsche Presserat für alle verbindlich festgelegt hat, jahre- und jahrzehntelang mit Füßen getreten wurden, das war ihnen egal. Hauptsache es sprangen immer schöne Texte und viele Punkte für sie dabei heraus, und — noch wichtiger — das Ganze kostete nichts!«
Eine Antwort auf die Frage, ob es beim Gault-Millau WeinGuide nach der Einführung der »Teilnahmegebühr« noch fair zugehe, versucht Winzer Dirk Würtz nach einem Telefonat mit Herausgeber Armin Diel zu geben: »›Im Übrigen erfährt die Redaktion nicht, wer diesen Betrag bezahlt hat, und wer nicht. Das weiß nur der Verlag‹, so Diel. Damit wäre dann wohl eine der wesentlichsten Ängste, nämlich die der befürchteten Ungleichbehandlung zwischen zahlenden und nicht zahlenden Winzern, entkräftet. Auch die Befürchtung, den Betrag zu bezahlen und dann im Buch nicht vorzukommen, ist unbegründet. Die Rechnung über diese 195,- € wird dem Betrieb erst dann zugestellt, wenn er seine Belegexemplare bekommt, das heißt auch tatsächlich im Weinführer erwähnt wird. Es wird also keinerlei Vorauszahlungen geben! Damit dürfte die Angst auf eine, wie auch immer geartete, Ungleichbehandlung wohl vollends entkräftet sein.« — Ist sie das wirklich?
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