Clos des Papes: Paul Vincent Avril in Düsseldorf
Veröffentlicht am 4. April 2008 in der Rubrik »Degustation«
Zu einer besonderen Verkostung lud am vergangenen Mittwoch die Düsseldorfer Mövenpick-Niederlassung ein. Kein Geringerer als Paul Vincent Avril war aus Châteauneuf-du-Pape angereist, um zwölf Weine seiner Domain Clos des Papes zu präsentieren, darunter den vom Wine Spectator zum »Wine of the Year« proklamierten Rotwein des Jahrgangs 2005.
Interessante Eindrücke vermittelten zunächst die sechs gereichten Weißweine. Wie ein roter Faden zogen sich die für den weißen Clos des Papes typischen Noten von Anis und Minze durch die Jahrgänge. Beim jungen 2005er wirkten diese noch aufdringlich wie Parfüm, während sie sich beim 2001er zugunsten eines mineralischeren Ausdrucks bereits deutlich verhaltener zeigten. Der leicht oxidierte und recht kurze 2004er enttäuschte dagegen ebenso, wie die beiden gereiften Exemplare aus 1998 (flüchtige Säure) und 1996 (Schwefelböckser bei beiden Flaschen). Stilistisch aus dem Rahmen fiel zweifellos der von der malolaktischen Gärung geprägte 2000er, dessen buttrige Fülle den Wein — allerdings auf Kosten von Komplexität und Tiefe — cremig und im Mund angenehm erscheinen ließ. Wegen der hohen Alkoholgrade blieb bei den meisten Weißweinen die Trinkfreude allerdings weitgehend auf der Strecke.

Paul Vincent Avril erläutert seine Weine. Foto: Norbert Sturm.
Seinen Weltruf verdankt Clos des Papes aber ohnehin ausschließlich seinen Rotweinen. Hier deutete der elegante und finessenreiche 2005er bereits heute an, dass aus ihm einmal ein großer Châteauneuf-du-Pape werden könnte. Geradezu rustikal präsentierte sich dagegen der 2004er, dessen raue und im Abgang trocknenden Tannine mich an einer uneingeschränkt positiven Entwicklung zweifeln ließen. Angesichts der jahrgangsbedingt recht unterschiedlichen, aber starken Jahrgänge 2000 (vielschichtiger, vegetabiler Duft mit Anklängen von Kirschmarmelade) und 2001 (noch immer lebendige Primärfrucht) erscheint die Frage nach dem »besseren« Wein müßig. Der nach schwarzem Trüffel duftende 1998er nähert sich langsam seinem Höhepunkt, deutlich reifer und mit feinen Kaffeenoten in der Nase beeindruckt dagegen der 1995er. Abschließend zeigte eine aus privatem Besitz stammende und in die Verkostung eingebrachte Flasche des 1990ers, welches Potenzial in den Rotweinen von Clos de Papes stecken kann.
Die Weißweine im Überblick:
2005er Clos des Papes 85
2004er Clos des Papes 72
2001er Clos des Papes 87
2000er Clos des Papes 83
1998er Clos des Papes 71
1996er Clos des Papes 64
Die Rotweine im Überblick:
2005er Clos des Papes 92
2004er Clos des Papes 86
2001er Clos des Papes 91
2000er Clos des Papes 91
1998er Clos des Papes 89
1995er Clos des Papes 93
1990er Clos des Papes 93
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